Sternenhimmel über Göttingen

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Mond bei Venus (15.8.)

Neumond (19.8.)

Der Sternenhimmel im dritten Quartal 2020

Die Abendsichtbarkeit von Jupiter und Saturn ist der Höhepunkt jeder kurzen Sommernacht. Beide Planeten werden zudem im August von vielen Sternschnuppen besucht.

Merkur und Venus

Merkur hat im dritten Quartal nur einen kurzen Gastauftritt im Juli. Zwischen dem 25. Juli und dem 1. August kann der sonnennächste Planet morgens über dem Nordost-Horizont beobachtet werden. Dafür ist frühes Aufstehen angesagt. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen 4:30 Uhr und 5 Uhr, wobei sich die Zeiten im August auf 4:40 Uhr bis 5:15 Uhr verschieben. Da der Planet nur ein paar Grad, etwa eine Handbreite, über dem Horizont steht, darf kein Gebäude oder Baum die Sicht einschränken. Ein Fernglas leistet zum Aufsuchen eine gute Hilfe. Den Rest des Quartals ist Merkur nicht zu sehen.

Venus ist nach ihrer Abendsichtbarkeit im Frühjahr ab sofort als Morgenstern tätig. Anfang Juli kann sie ab kurz nach halb vier Uhr morgens über dem Osthorizont beobachtet werden. Sie ist so hell, dass sie auch noch weit in die Morgendämmerung hinein gesehen werden kann. Am Monatsletzten ist Venus schon ab 2:33 Uhr zu sehen. Diese Uhrzeit bleibt den August über fast konstant. Erst ab Anfang September ändert sich die Aufgangszeit wieder etwas. Von da ab geht der Planet jeden Tag später auf. Am letzten Tag des Monats erscheint sie wieder gegen halb vier Uhr über dem Horizont. Da die Nächte dann aber schon deutlich länger sind, bleibt mehr Zeit zum Beobachten.

Am 12. Juli wandert Venus im Abstand von zwei scheinbaren Vollmonddurchmessern an Aldebaran vorbei. Dies ist der hellste Stern im Sternbild Stier. Mitte September passiert der Planet den offenen Sternhaufen Praesepe im Sternbild Krebs. Um das Ereignis besser verfolgen zu können, sollte ein Fernglas verwendet werden, da der Sternhaufen mit dem bloßen Auge schwierig zu beobachten ist.

Mars wird immer heller

Über den Sommer hinweg wird Mars immer heller. Dies liegt daran, dass sich sein Abstand zur Erde immer mehr verringert. Den kleinsten Abstand wird er allerdings erst im Oktober erreichen. Ab August ist der Rote Planet nach Venus und Jupiter das hellste Gestirn am Nachthimmel, wenn denn der Mond nicht gerade vorbei schaut.

Mars geht am 1. Juli um 1:00 Uhr auf, am 1. August um 23:29 Uhr und am letzten Septembertag schon um 19:45 Uhr. Er wird somit von einem Beobachtungsobjekt der zweiten Nachthälfte zu einem der ganzen Nacht. Für alle mit einem Teleskop beginnt nun die Hauptbeobachtungszeit von Mars.

Jupiter und Saturn in Opposition

Jupiter steht am 14. Juli in Opposition. An diesem Tag stehen Sonne, Erde und Jupiter in einer Reihe. Das führt dazu, dass der Planet die gesamte Nacht hindurch beobachtet werden kann. Auch ist nun der Abstand Erde - Planet am geringsten und somit das scheinbare Planetenscheibchen am größten. Details in der Jupiteratmosphäre lassen sich nun gut beobachten. Allerdings ist dafür mindestens ein kleines Teleskop notwendig. Was man aber jederzeit mit einem Fernglas verfolgen kann, ist die Bewegung der vier größten Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Von Nacht zu Nacht ändert sich das Bild, welches die vier Monde um Jupiter herum arrangieren.

Am 20. Juli steht Saturn in Opposition. Da zurzeit die Ringöffnung groß ist, bietet der Planet schon in kleinen Teleskopen einen beeindruckenden Anblick. Trotz seiner geringen Höhe über dem Südhorizont, fällt der Planet jetzt durch seine große Helligkeit auf. Nur Venus, Jupiter, Mars sowie die beiden Sterne Wega und Arktur sind heller.

Jupiter geht zu Quartalsbeginn um 22:11 Uhr auf. Saturn folgt ihm eine Viertelstunde später. Am letzten Septembertag geht der Riesenplanet schon gegen Mitternacht unter. Saturn ist noch gut 40 Minuten länger zu sehen. Da sich beide Planeten zurzeit durch die Sternbilder Schütze und Steinbock bewegen, stehen sie von Deutschland aus nicht sehr hoch über dem Südhorizont. Deshalb blickt man durch einen größeren Anteil der irdischen Atmosphäre. Das führt dazu, dass die beiden Planeten mehr flackern und im Fernglas oder Teleskop häufig etwas verwaschener erscheinen.

Pluto, Pallas und Neptun - Opposition für alle

Doch nicht nur die beiden größten Planeten im Sonnensystem stehen im Sommer in Opposition zur Sonne. Hinzu kommt noch der Zwergplanet Pluto, der am 15. Juli diesen Punkt auf seiner Umlaufbahn um die Sonne erreicht. Er ist allerdings mit dem bloßen Auge genauso wenig zu sehen wie der Kleinplanet Pallas. Dieser steht schon am 12. Juli in Opposition zur Sonne. Pallas umkreist die Sonne im Asteroidengürtel. Dieser befindet sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter.

Und um die Sache komplett zu machen, steht Neptun am 11. September in Opposition zur Sonne. Um ihn zu sehen, ist mindestens ein größeres Fernglas notwendig. Der Planet wandert während seiner Oppositionszeit durch das Sternbild Wassermann.

Sternschnuppen im August

Der August ist der „Sternschnuppenmonat“ schlechthin. Das liegt nicht nur an der Vielzahl der zu bestaunenden Leuchterscheinungen, sondern auch an den milden Nächten. Die meisten Sternschnuppen sind dabei zwischen dem 10. und dem 13. August zu sehen. Doch auch in den Nächten davor und danach sind schon deutlich mehr Sternschnuppen unterwegs.

Der Wort „Sternschnuppe“ ist kein wissenschaftlicher Begriff. Die Wissenschaft nennt die Leuchterscheinung „das Meteor“. Das Teilchen, welches die Leuchterscheinung hervorruft wird „Meteorid“ genannt. Erreicht ein Stück die Erdoberfläche, heißt es „Meteorit“. Einen Meteoriten kann man allerdings nur finden, wenn der Meteorid zuvor schon ein großer Brocken von mehreren Kilogramm Gewicht war. Dann fällt die Leuchterscheinung dementsprechend hell aus und man nennt sie „Bolid“. Die meisten Meteoride sind allerdings nur so groß wie Staubkörner.

Verfolgt man die Spuren der Meteore zurück, so scheinen sie alle aus dem gleichen Himmelsareal zu kommen. Im August ist das der Bereich des Sternbildes Perseus. Deshalb heißen die Meteore Perseïden. Allerdings handelt es sich hierbei nur um einen Projektionseffekt. Es ist ähnlich wie bei einer Autofahrt im Schneegestöber. Beim Blick nach vorne scheinen alle Schneeflocken von einem Punkt vor dem Auto herzukommen. In Wirklichkeit fallen die Flocken aber mehr oder weniger parallel vom Himmel. Genauso ist es bei den Meteoriden, die parallel in die Erdatmosphäre eindringen und zu leuchten beginnen.

Die beste Beobachtungszeit für die Perseïden sind die Stunden vor Beginn der Morgendämmerung. Auch wenn die Nächte mild sind, sollten dennoch Jacke und lange Hose bereitliegen. Beim Beobachten wird es einem sonst schnell kühl. Um möglichst viele Sternschnuppen zu sehen, heißt die Devise „Raus aus der Stadt!“. Je dunkler die Umgebung und der Himmel sind, desto mehr Meteore sind zu sehen. 30 und mehr Sternschnuppen pro Stunde sind dann möglich.

Der Sternenhimmel

Jetzt im Sommer zieht von Südosten kommend das „Sommerdreieck“ über den Südhimmel. Dabei handelt es um die drei hellen Sterne Wega, Deneb und Atair. Wega, die zum Sternbild Leier gehört, wandert dabei fast durch den Zenit. Das ist der Punkt genau über dem Beobachter. Ihr folgt Deneb, der hellste Stern im Sternbild Schwan. Atair und das dazugehörige Sternbild Adler stehen nicht ganz so hoch am Himmel. Durch alle drei Sternbilder zieht sich die Milchstraße. So wird die Galaxie genannt, in der wir alle leben. Sie zieht sich weiter durch die Sternbilder Kepheus, Kassiopeia und Perseus hin zum Nordost-Horizont. Vom Adler in Richtung Südhorizont ist die Milchstraße in den Sternbildern Schütze, Schlangenträger und Skorpion zu verfolgen. Im Schützen liegt auch das Zentrum unserer Galaxie.

Im Westen fällt ein weiterer heller Stern auf. Es ist Arktur im Sternbild Bootes, auch Bärenhüter genannt. Er bildet den Fußpunkt einer Sternenkonfiguration, die Ähnlichkeit mit einem Kinderdrachen hat, den man im Herbst im Wind steigen lässt. Dicht daneben befindet sich das kleine Sternbild der Nördlichen Krone. Seine mittelhell leuchtenden Sterne bilden einen auffälligen Halbkreis.

Über dem Osthorizont ist mit Pegasus schon das erste Herbststernbild aufgegangen. Vier Sterne bilden ein großes Viereck, welches nach dem Aufgang auf der Spitze steht. An der linken Ecke schließt sich eine Kette von Sternen an. Sie bilden - zusammen mit der Ecke - das Sternbild Andromeda. Sehr tief über dem Osthorizont erscheint am späteren Abend jetzt Mars. Jupiter und Saturn dagegen erstrahlen im Süden.

Die milden Neumondnächte, optimal zum Beobachten, finden am 20.07., am 19.08. und am 17.09. statt. Vollmond ist am 05.07, am 03.08. und am 02.09.

Viel Spaß beim Beobachten wünscht Ihnen der FPG!